Release Date:
18.04.2026

Marketing Agentur oder Freelancer in Österreich
Was du wissen musst bevor du unterschreibst
Das Problem beginnt nicht bei der Agentur. Es beginnt bei dir.
Jedes Jahr das gleiche Gespräch.
Ein Unternehmen hat ein Marketing-Problem. Es sucht jemanden, der es löst. Es googelt. Es findet Agenturen. Präsentationen. Versprechen. Pakete. Es entscheidet sich. Zahlt. Wartet. Und nach sechs Monaten sitzt es wieder am gleichen Tisch — mit weniger Budget, mehr Frust und denselben Problemen.
Woran lag es?
Nicht immer an der Agentur.
Oft an der Entscheidung davor. Daran, dass niemand gefragt hat: Was brauche ich wirklich? Und wer kann das wirklich liefern?
Dieser Post ist eine ehrliche Karte der österreichischen Marketing-Landschaft. Wer macht was. Wo die Stärken liegen. Wo die Fallen sind. Und wie du als Kunde die richtige Entscheidung triffst — bevor du unterschreibst.
Die österreichische Marketing-Landschaft — ein Überblick
Österreich ist kein großer Markt. Aber ein komplexer. Wien, Graz, Linz, Salzburg, Klagenfurt — jede Stadt hat ihre eigene Agentur-Kultur, ihre eigenen Preisvorstellungen, ihre eigenen Schwerpunkte.
Grob lässt sich die Landschaft in fünf Typen unterteilen:
1. Full-Service Agenturen 2. Kreativagenturen 3. Performance Marketing Agenturen 4. Spezialisierte Boutique-Agenturen 5. Freelancer
Jeder Typ hat seine Daseinsberechtigung. Und jeden Typ gibt es in gut und schlecht. Der Fehler ist nicht, den falschen Typ zu wählen — der Fehler ist, ihn zu wählen ohne zu wissen, was man braucht.
Typ 1 — Die Full-Service Agentur
Die Full-Service Agentur ist das Kaufhaus unter den Agenturen.
Sie macht alles. Branding. Social Media. SEO. Ads. PR. Events. Website. Sie hat ein großes Team, einen schönen Showroom, eine lange Referenzliste und ein entsprechend großes Angebot.
Das klingt gut. Ist es manchmal auch.
Aber Full-Service bedeutet selten Full-Excellence. Wer alles anbietet, ist selten in allem gleich gut. Und in Österreich gilt das besonders — weil der Markt zu klein ist für echte Tiefe in allen Disziplinen gleichzeitig.
Was du bei Full-Service Agenturen bekommst: Koordination. Ein Ansprechpartner. Ein konsistentes Erscheinungsbild. Struktur.
Was du oft nicht bekommst: echte Tiefe in Performance-Kanälen. Jemanden, der wirklich in deinen Google Ads Account schaut und versteht, was er sieht. Jemanden, der technisches SEO nicht als Checkbox behandelt.
Passt zu dir, wenn: Du ein mittleres bis großes Unternehmen bist, viele Kanäle gleichzeitig bespielen willst und die interne Koordination auslagern möchtest.
Typ 2 — Die Kreativagentur
Die Kreativagentur lebt für das Bild. Den Film. Die Idee.
Sie denkt in Kampagnen. In Geschichten. In visueller Sprache. Ihre Arbeit ist oft beeindruckend — Hochglanz, Award-würdig, emotional stark.
Und sie hat ein Problem: Sie misst oft nicht.
Kreativagenturen arbeiten häufig mit einem anderen Erfolgsmaßstab als Performance-Marketer. Für sie ist eine gute Kampagne eine, die auffällt. Die Eindruck hinterlässt. Die Preise gewinnt.
Ob sie verkauft — das ist eine andere Frage.
In Österreich gibt es exzellente Kreativagenturen. Wien hat eine lange Tradition in Werbung, Film, Design. Aber wer zu einer Kreativagentur geht und erwartet, dass sein Google Ads ROAS steigt — wird enttäuscht.
Passt zu dir, wenn: Du Markenaufbau betreibst, TV- oder OOH-Kampagnen produzieren willst, Branding-Projekte hast oder hochwertige Content-Produktion benötigst.
Typ 3 — Die Performance Marketing Agentur
Hier wird in Zahlen gedacht.
ROAS. CPA. CTR. CVR. Die Performance-Agentur lebt und stirbt mit Daten. Sie optimiert Kampagnen, testet Creative-Varianten, skaliert was funktioniert und pausiert was nicht.
Das klingt rational. Ist es auch.
Aber auch hier gibt es eine Schattenseite. Performance-Agenturen — besonders die größeren — arbeiten oft mit Prozessen, die für mittlere bis große Budgets entwickelt wurden. Sie haben Templates. Playbooks. Standardisierte Setups.
Für ein KMU mit 1.500 € monatlichem Ads-Budget bedeutet das: Du bekommst das gleiche Setup wie der Kunde mit 50.000 € — nur mit weniger Aufmerksamkeit. Denn du bist nicht der wichtigste Kunde im Portfolio.
In Österreich sind Performance Marketing Agenturen oft Wien-zentriert. Wer in der Steiermark, in Kärnten oder im Bundesland sitzt, findet weniger Auswahl — und greift dann entweder auf Generalisten zurück oder auf Agenturen, die Performance versprechen aber Generalist liefern.
Passt zu dir, wenn: Du klare Conversion-Ziele hast, ausreichend Budget mitbringst und bereit bist, in ein System zu investieren das Vorlaufzeit braucht.
Typ 4 — Die Boutique-Agentur
Die Boutique ist der Spezialist unter den Agenturen.
Oft kleines Team. Klarer Fokus. Ein Kanal, eine Industrie, eine Methode. Die SEO-Boutique. Die Social-Media-Boutique. Die E-Commerce-Agentur für Shopify.
Das ist oft die beste Wahl für KMUs mit einem spezifischen Problem. Weil du echte Tiefe bekommst — ohne die Overhead-Kosten einer großen Agentur.
Das Risiko: Sie können außerhalb ihres Bereichs wenig helfen. Wer nur SEO macht, denkt in SEO-Lösungen — auch wenn das Problem ein Conversion-Problem ist.
Passt zu dir, wenn: Du ein klar definiertes Problem in einem Kanal hast und weißt, was du brauchst.
Typ 5 — Der Freelancer
Der Freelancer ist das missverstandenste Modell in der österreichischen Marketing-Landschaft.
In der Wahrnehmung vieler Unternehmen ist er die günstige Option. Der Notnagel. Jemand, der Aufgaben abarbeitet, die intern niemand erledigen will.
Das ist falsch. Und diese Fehlwahrnehmung kostet Unternehmen jährlich Geld.
Ein guter Freelancer ist kein Ausführender. Er ist ein Spezialist ohne Agentur-Overhead. Ohne Sales-Team, das dich an Land zieht und dann an einen Junior-Account-Manager übergibt. Ohne monatliche Retainer-Logik, die dich länger bindet als nötig.
Du bezahlst direkt für die Person, die die Arbeit macht.
In Österreich gibt es eine wachsende Freelancer-Szene — besonders in Wien. SEO-Freelancer, Ads-Spezialisten, Social-Media-Manager, Copywriter. Der Markt professionalisiert sich. Plattformen wie Upwork sind nicht mehr die einzige Anlaufstelle — immer mehr Freelancer bauen eigene Marken, eigene Reichweiten, eigene Referenzlisten.
Passt zu dir, wenn: Du ein klar definiertes Projekt hast, direkte Kommunikation schätzt, kein Riesenbudget mitbringst und bereit bist, eigenverantwortlich zu arbeiten — ohne jemanden, der dich an die Hand nimmt.
Der aktuelle Hype — und warum er KMUs schadet
Hier wird es unbequem.
Der Online-Marketing-Hype der letzten Jahre hat eine spezifische Zielgruppe hervorgebracht: das österreichische KMU, das ein Marketing-Problem hat und eine einfache Lösung sucht.
Und der Markt hat geantwortet. Mit Angeboten, die einfach klingen. Günstig aussehen. Schnell versprechen.
„Wir erstellen Ihre Website und schalten Google Ads." „Social Media Rundum-Paket ab 499 € monatlich." „SEO-Optimierung inklusive."
Das klingt nach Lösung. Ist es oft nicht.
Denn das Problem der meisten KMUs ist nicht, dass sie keine Werbung schalten. Das Problem ist, dass das Fundament fehlt. Und auf einem schlechten Fundament baut man keine Kampagne — man verbrennt Budget.
Das teuerste Missverständnis: Technisches SEO als Basis-SEO verkauft
Das konkreteste Beispiel für das Problem:
Ein KMU bekommt ein SEO-Paket. Keywords werden eingepflegt. Meta-Titles geschrieben. Ein Blog gestartet. Alles sauber — auf der Oberfläche.
Dann werden Google Ads draufgeschaltet. Traffic kommt. Klicks kommen. Aber Anfragen? Kaum.
Woran liegt es?
Fast immer am technischen Fundament, das niemand angeschaut hat.
Was technisches SEO wirklich bedeutet — und warum es entscheidend ist:
Core Web Vitals. Ladezeit, Interaktivität, visuelle Stabilität — Google bewertet diese Signale direkt. Eine Seite, die länger als 3 Sekunden lädt, verliert bis zu 50 % der mobilen Nutzer noch bevor der erste Satz gelesen wird. Auf diese Seite Ads zu schalten bedeutet: du bezahlst für Klicks die sofort abspringen.
Crawlability und Indexierung. Wenn Google deine Seiten nicht richtig crawlen und indexieren kann, existieren sie für die Suche nicht. Kaputte interne Links, fehlerhafte Robots.txt, falsche Canonical Tags — alles Fehler, die kein Keyword-Paket löst. Ads auf nicht-indexierte Seiten schalten ist Geld verbrennen.
Duplicate Content. Viele österreichische Websites — besonders solche auf Standard-CMS-Systemen — produzieren technisch duplicate Content: Tag-Seiten, Kategorieseiten, Parameterseiten. Google weiß nicht mehr, welche Seite es ranken soll. Das drückt alle Rankings gleichzeitig.
Schema Markup. Strukturierte Daten helfen Google zu verstehen, was eine Seite wirklich ist. Produkt, Dienstleistung, lokales Unternehmen, FAQ. Ohne Schema Markup verzichtet man auf Rich Results — und verliert Klickrate an Mitbewerber, die es implementiert haben.
HTTPS und technische Sicherheit. Immer noch gibt es österreichische Unternehmenswebsites ohne gültiges SSL-Zertifikat. Google markiert diese als unsicher. Nutzer springen ab. Conversion-Rate kollabiert.
Mobile First. Googles Index ist seit 2019 Mobile First. Wer eine Desktop-optimierte Seite hat und Ads auf mobile User schaltet — verliert an einem Punkt, der nie analysiert wurde.
Das Problem: Keiner dieser Punkte ist sichtbar. Du siehst sie nicht, wenn du die Website öffnest. Du siehst sie in den Daten — wenn du weißt, wo du schauen musst.
Die Agentur, die dir ein SEO-Paket ohne technische Analyse verkauft, sieht sie nicht. Oder sie sieht sie und sagt nichts, weil technisches SEO Aufwand bedeutet — und Aufwand kostet Marge.
Das Ergebnis: Du zahlst für Ads auf ein System, das nicht bereit ist. Jeder Klick ist teurer als er sein müsste. Jede Conversion kommt seltener als sie könnte.
Das ist das teuerste Marketing-Problem in Österreich. Und es ist das unsichtbarste.
Was du als Kunde wissen musst — bevor du unterschreibst
Hier die ehrliche Checkliste.
Kenne dein eigenes Problem — bevor du jemanden fragst es zu lösen:
Du kannst keine richtige Agentur wählen, wenn du nicht weißt, was du wirklich brauchst. Und die meisten KMUs wissen es nicht. Sie wissen, dass etwas nicht funktioniert. Aber nicht warum.
Stelle dir zuerst diese Fragen:
Habe ich ein Awareness-Problem — kennen mich zu wenige? Dann brauchst du Top-of-Funnel-Marketing. Brand Building. Reichweite.
Habe ich ein Conversion-Problem — kommen Leute auf meine Website aber kaufen oder schreiben nicht? Dann brauchst du CRO, Landing Page Optimierung, vielleicht technisches SEO — bevor du Ads schaltest.
Habe ich ein Nachfrage-Problem — suchen die richtigen Leute gar nicht nach mir? Dann brauchst du Content-Strategie, GEO, vielleicht Meta Ads für Awareness.
Habe ich ein Budget-Problem — ich kann nicht dauerhaft investieren? Dann ist eine große Agentur mit Retainer-Logik das falsche Modell.
Stell der Agentur diese Fragen vor dem Briefing:
Wer macht bei euch wirklich die Arbeit — ein Senior oder ein Junior? Bei großen Agenturen ist die Antwort oft: du wirst gepitched von einem Senior, betreut von einem Junior.
Habt ihr Erfahrung in meiner Branche oder meinem Markt? DACH-spezifisches Wissen ist nicht selbstverständlich. Wer nur für den deutschen Markt optimiert, versteht österreichische Suchverhalten, lokale Konkurrenzsituationen und regionale Besonderheiten nicht.
Wie messt ihr Erfolg — und nach welchen KPIs? Wer nicht klar antworten kann, denkt nicht in Performance.
Was passiert, wenn ich kündige — gehören mir meine Daten, Kampagnen, Accounts? Ein häufiges Problem: Agenturen halten Kampagnen-Daten zurück, wenn die Zusammenarbeit endet.
Warum ich VOID so positioniere, wie ich es tue
Ich hätte eine Full-Service Agentur aufbauen können.
Team. Büro. Sales-Funnel. Retainer-Pakete für jeden Bedarf. Ein Angebot, das nach außen groß wirkt.
Ich habe es nicht getan — weil ich in diesem Modell der falsche Mensch wäre.
VOID ist ein Solo-Studio. Bewusst. Nicht weil ich kein Team haben will — sondern weil ich die einzige Person bin, die ich kontrollieren kann. Und weil der Markt genug Agenturen hat, die Breite versprechen und Mittelmäßigkeit liefern.
Ich mache Performance Marketing und Strategie. Nicht alles. Nicht für jeden.
Meine Positionierung ist: Systeme bauen, die funktionieren — bevor Geld ausgegeben wird. Das bedeutet, ich schaue zuerst auf das Fundament. Technisches SEO, Tracking, Attribution, Landing Pages. Dann auf Paid Channels.
Und ich bin direkt. Wenn das Fundament nicht stimmt, sage ich es — auch wenn es bedeutet, dass wir noch nicht mit Ads anfangen können.
Das ist unbequem für Kunden, die sofort Ergebnisse wollen. Und es ist ehrlich gegenüber Kunden, die nachhaltig wachsen wollen.
Der DACH-Markt hat genug Agenturen, die dir sagen, was du hören willst. VOID sagt dir, was ist.
Das ist mein Positioning. Nicht für jeden. Für die Richtigen.
Zusammenfassung — welches Modell passt zu wem
Full-Service | Kreativ | Performance | Boutique | Freelancer | |
|---|---|---|---|---|---|
Stärke | Koordination | Storytelling | Daten & Skalierung | Tiefe Expertise | Direkter Zugang |
Schwäche | Wenig Tiefe | Kein Performance-Fokus | Oft zu groß für KMU | Eingeschränkt | Kein Team-Backup |
Budget | Hoch | Mittel–Hoch | Mittel–Hoch | Mittel | Flexibel |
Für wen | Mittelstand+ | Markenaufbau | Skalierung | Spezifisches Problem | Klares Projekt |
Risiko | Junior übernimmt | Misst nicht | Template-Denken | Tunnelblick | Kapazität |
Häufige Fragen zur Marketing-Agentur-Wahl in Österreich
Was kostet eine Marketing Agentur in Österreich?
Die Preisspanne ist enorm. Kleine Agenturen und Freelancer starten ab 500–1.500 € monatlich. Mid-Size Agenturen liegen bei 2.000–5.000 € monatlich. Full-Service Agenturen ab 5.000 € aufwärts — ohne Werbebudget. Als KMU solltest du mit mindestens 1.500 € monatlich für Betreuung plus Werbebudget rechnen, um sinnvolle Ergebnisse erwarten zu können.
Agentur oder Freelancer — was ist besser für kleine Unternehmen?
Für KMUs mit klarem Problem und begrenztem Budget ist ein spezialisierter Freelancer oft die bessere Wahl. Direkter Zugang, kein Agentur-Overhead, echte Expertise. Das Risiko ist Kapazität und Ausfall — kein Team im Hintergrund. Wer Skalierung und breite Kanalabdeckung braucht, ist bei einer Agentur besser aufgehoben.
Wie erkenne ich eine gute Performance Marketing Agentur?
Sie spricht in KPIs, nicht in Versprechen. Sie fragt nach deinen Zielen bevor sie ein Angebot macht. Sie erklärt dir ihr Tracking-Setup. Sie zeigt dir Referenzen mit konkreten Zahlen — nicht nur mit Logos. Und sie sagt dir, wenn dein Fundament noch nicht bereit ist für Paid Ads.
Was sollte ich vor dem Start mit einer Agentur klären?
Wem gehören die Kampagnen-Accounts und Daten. Wer betreut mich operativ. Wie wird Erfolg gemessen. Wie sieht der Kündigungsprozess aus. Und: hat die Agentur vor dem Ads-Start eine technische Analyse meiner Website gemacht — oder schaltet sie einfach los.
VOID TAKEAWAY
Der österreichische Marketing-Markt ist nicht schlecht. Er ist unübersichtlich.
Und in dieser Unübersichtlichkeit trifft der falsche Kunde die falsche Entscheidung — nicht aus Dummheit, sondern aus Informationsmangel.
Die Agentur, die dir alles verspricht, ist selten die, die alles kann. Die günstige Lösung, die einfach aussieht, ist selten günstig wenn man den Gesamtschaden rechnet. Und das KMU, das zuerst in das Fundament investiert, zahlt kurzfristig mehr — und spart langfristig das Dreifache.
Wähle nach Passung. Nicht nach Preis. Nicht nach Hochglanz-Präsentation.
Wähle jemanden, der dir sagt, was ist. Nicht was du hören willst.
Systeme verstehen. Dann Geld ausgeben.
Autor: Damien Schober
Performance Marketing & Strategie – VOID Studio Wien

