Release Date:
23.03.2026

Marketing studiert mit 14 – was Subkultur mich über Marketing gelehrt hat
Wörthersee. 2001.
BMX im Sommer. PlayStation 2 wenn es regnete. Dragon Ball Z um 19:30 auf RTL2 — und wehe dem der dazwischen anrief. Yu-Gi-Oh am Samstagmorgen. One Piece das erste Mal im Freien TV. Stunden vor dem Bildschirm die sich nicht wie Zeitverschwendung angefühlt haben — sondern wie Studium. Ich habe es damals nur nicht so genannt.
Ich habe aufgesaugt.
Nicht nur Anime. Alles.
Die Subkulturen dieser Zeit hatten eine Energie die ich heute nirgendwo mehr in dieser Form finde. Nu-Metal der in Kellern genauso gespielt wurde wie in MTV-Rotationen. Skater-Marken die nicht nur Klamotten waren sondern Bekenntnisse — Emerica, Etnies, Blind. Du musstest nicht erklären warum du diese Marken trugst. Wer es verstand, verstand es. Wer es nicht verstand, gehörte nicht dazu.
Das war damals nicht trendy. Das war echt.
Und ich war mittendrin. Ein Kärntner Bub aus Krumpendorf der nicht aus der klassischen Kärntner Familie stammt — meine Familie hatte jahrzehntelang in der Luxus-Hotellerie gearbeitet, im Ausland Karriere gemacht, ein Leben zwischen Welten geführt. Ich bin mit einem internationalen Anspruch aufgewachsen ohne es damals zu begreifen. Hoher Standard war keine Entscheidung — es war Erziehung.
Aber der Wörthersee hat mich geprägt. Die Autos im Sommer. Die Motorräder. Die Leute die ankamen und eine Welt mitbrachten die größer war als die eigene. Ich habe alles beobachtet. Alles aufgesaugt. Und keinen blassen Schimmer gehabt was ich damit anfangen soll.
Die Jahre in denen ich mich selbst belogen habe
Nach der Schule kam was kommen sollte — zumindest laut dem Plan der Familie.
Luxus-Hotellerie. Der logische Weg. Meine Eltern hatten dort jahrzehntelang gearbeitet. Die Branche kannte ich. Die Branche kannte mich. Und ich war gut darin — das war das eigentliche Problem.
Wenn du gut bist in etwas das nicht deins ist, bleibst du länger als du solltest.
Ich habe in dieser Zeit gelernt was Qualität bedeutet. Wirklich bedeutet. Nicht als Buzzword sondern als Haltung. Jedes Detail zählt. Die Art wie ein Tisch gedeckt wird. Die Art wie ein Gast angesprochen wird. Die Art wie ein Problem gelöst wird bevor der Gast merkt dass es eines war. Diese Fähigkeit ist bis heute in mir — sie zeigt sich heute in jedem Briefing das ich schreibe, in jedem Konzept das ich entwickle, in jedem Kunden den ich berate.
Aber ein Teil von mir hat in dieser Zeit aufgehört zu atmen.
Die Subkulturen. Die Neugier. Das Aufnehmen von allem was echt und roh und lebendig war. Das alles hat sich irgendwo versteckt während ich lächelte und Champagner einschenkte.
Mit Mitte 20 bin ich nach Wien gegangen. Nicht mit einem Plan. Mit dem Gefühl dass ich mir selbst gegenüber ehrlich sein muss — oder es nie sein werde.
Wien. Die Garage. Das Chaos. Der Anfang.
Zwei Jahre noch im Park Hyatt. Dann Schluss.
Die Entscheidung fühlte sich nicht mutig an. Sie fühlte sich notwendig an. Es gibt einen Unterschied.
Ich begann mich umschulen zu lassen. Online Marketing. Und zum ersten Mal seit langer Zeit merkte ich dass ich etwas einsetzen konnte das immer in mir war — ohne dass ich es je bewusst trainiert hatte: strategisches und analytisches Denken. Die Fähigkeit Muster zu sehen. Zu verstehen wie Menschen funktionieren. Was sie wirklich wollen bevor sie es selbst wissen.
In meinem ersten Jahr der Umschulung tat ich das was jeder tun sollte der etwas Neues anfängt: Ich umgab mich mit Menschen die besser waren als ich.
Profifotografen. Menschen aus der SAE Wien. Grafikdesigner. Medienprofis. Ich baute ein Team auf nicht weil ich einen Plan hatte — sondern weil ich wusste dass ich alleine langsamer lernen würde.
Das Team bestand aus:
Dann kam die Idee.
Ein Ken Block Video nachdrehen. In Wien. Mit Rennwagen. Mit echtem Team. Mit einer Location die niemand kannte aber jeder kennen würde wenn er sie sähe — die ehemalige Simmeringer Panzerfabrik, Steyr-Puch Spezialfahrzeuge, ein Ort der Geschichte hat und aussieht wie ein Filmset das sich kein Regisseur leisten könnte.
Durch Michael Rienhoff — den ich über den Driftsport kennengelernt hatte — kamen zwei Rennausautos. Durch meine Erfahrung aus der Luxus-Hotellerie — Türen öffnen sich wenn man weiß wie man fragt — hatte ich kostenfrei Zugang zur Location. Genesis Films mit Markus Gyros kam dazu. Drei Drohnen. Ein Profi-Filmteam. 20 Leute.
Am Abend davor habe ich nicht geschlafen.
Markus Gyros sah mich an und fragte: "Heast — host a Skript?"
Ich hatte Notizen am Handy.
Nach 10 Stunden Chaos kam ein 1 Minute 20 Sekunden Film raus.
Das Projekt hieß Unstoppable. Das Team hieß deadia.motion. Und ich verstand zum ersten Mal in meinem Leben was ich konnte — nicht nur ideen haben, sondern Menschen und Ressourcen so zusammenbringen dass aus nichts etwas entsteht.
Drifttroopers
Die teuerste und wertvollste Lektion meines Lebens.
Aus Unstoppable wurde mehr.
Ich lernte Gabriel Scheuher kennen — beim geplanten Dreh am AKW Zwentendorf für Unstoppable Part 2. Er lud mich in seine Garage in Hainfeld/Niederösterreich ein. Eine alte Schlosserei. Ein BMW E46 mit 1JZ Motor. Seine Freunde. Eine Energie die sich anfühlte wie die Subkulturen meiner Jugend — roh, echt, ohne Masterplan.
Wir starteten Drifttroopers.
Durch Zufall lernte ich Herbert Schärf Jung kennen. Er war begeistert. Er stellte mir seinen Vater vor. Ich erstellte einen Marketingplan. Einen Businessplan. Und als sein Vater Herbert Eipeldauer das erste Mal im Bentley in dieser heruntergekommenen Garage in Hainfeld ankam — mehrere hunderttausend Euro auf dem Tisch, ein nicht funktionierendes Rennfahrzeug davor — war mir mulmig im Bauch.
Der Plan hat überzeugt. Eine GmbH im ersten Bezirk wurde gegründet. Siegfried Strauss setzte mein Branding um. Ich wusste durch mein analytisches Denken: Was wir machen, macht in Österreich keiner. Wirklich keiner.
Es hat funktioniert.
Ich verstand.
Kein System ersetzt Haltung.
Kein Budget ersetzt Authentizität.
Und dann sind wir trotzdem gescheitert.
Nicht weil der Plan schlecht war. Nicht weil die Idee falsch war. Sondern weil Wachstum das zu schnell passiert ohne das richtige Fundament alles mit sich reißt — egal wie gut du bist, egal wie stark die Idee ist, egal wie überzeugend der Plan.
Das war die wichtigste Marketing-Lektion meines Lebens.
Nicht aus einem Buch. Nicht aus einem Kurs. Aus einer heruntergekommenen Garage in Hainfeld und einem Bentley der darin fehl am Platz wirkte.
Was danach kam — und was ich heute weiß
Ich fokussierte mich weiter auf meine Ausbildung.
marie_jana — heute 524.000 Abonnenten auf Instagram — war damals am Anfang. Wir waren dabei. Haben mitgewirkt. Früh erkannt was entsteht bevor es jeder sehen konnte.
Tanja Rubin von moto.cat — das einzige offizielle Ducati Girl aus Österreich — Content der zählte. Anika Bankhofer für Yamaha. Unternehmen wie GGMT zu TGI AG beim Branding-Umschlag. Türenwelt Ried bei der Umstellung auf Online-Vertrieb. Juweliere wie Gold & Co mit Walter Hell-Höflinger der früh Potenzial in mir sah. Juwelier Davidov aus Wien — bis heute Stammkunde.
Ich konnte außerdem bei Werbeproduktionen wie jenen von LVRS mitwirken. Beim damals sehr bekannten Influencer KS_freak habe ich an einem Musikvideo mitproduziert. Weitere Produktionen folgten — unter anderem für Money Boy oder die Berliner Rapperin Haiyti. Unterschiedliche Szenen, unterschiedliche Zielgruppen, unterschiedliche Budgets
Mein Wachstum war langsam.
Bewusst langsam.
Weil ich verstanden hatte was Drifttroopers mich gelehrt hat: Wachstum ohne Fundament ist kein Wachstum.
Es ist ein Countdown.
Was der 14-jährige Bub am Wörthersee wirklich gelernt hat
Heute führe ich VOID Studio.
Performance Marketing. Strategie. Positionierung. Systeme verstehen bevor man Geld ausgibt.
Und wenn mich jemand fragt wann ich angefangen habe Marketing zu lernen, sage ich: Mit 14. Am Wörthersee. Mit Dragon Ball Z um 19:30 und Emerica-Schuhen die ich mir nicht leisten konnte aber trotzdem wollte.
Ich habe damals nicht gelernt wie man Kampagnen schaltet. Ich habe gelernt was Menschen wirklich bewegt. Was echt ist und was performt. Warum manche Dinge hängen bleiben und andere verschwinden sobald der Algorithmus sie nicht mehr pusht.
Die Subkulturen der 2000er hatten kein Budget. Kein Targeting. Keine KI die entschied wen sie erreichen.
Sie hatten Haltung. Und Haltung war genug.
Und trotzdem war es kein Zufall. Hinter vielen dieser Szenen standen bereits Marketing-Maschinen — nur unsichtbar. Brands arbeiteten mit Skatern, Musiker trugen die Brands, Motocross-Fahrer tauchten in Magazinen auf. Heute nennen wir das Cross-Branding und Influencer-Marketing.
Damals war es Marketing, das sich wie echte Kultur angefühlt hat.
Vans sponserte gezielt Skater und Musik-Events.
Etnies und Emerica arbeiteten mit Pro-Skatern als Influencer — lange bevor es Instagram gab.
DC Shoes und Ken Block wurden zu Content-Marketing-Vorreitern, ohne dass man es so nannte.
Magazine wie Thrasher waren im Grunde Owned Media.
Und Labels nutzten Bands als Lifestyle-Transport für ganze Markenwelten.
Das ist bis heute die einzige Marketing-Wahrheit die ich kenne die sich nie verändert hat — egal wie viele Algorithmen kommen und gehen.
VOID TAKEAWAY
Kein System ersetzt Haltung.
Kein Budget ersetzt Authentizität.
Keine KI ersetzt den Moment in dem jemand etwas sieht und denkt: Das bin ich. Das spricht mich an. Das ist echt.
Die Frage ist nicht: Welche Plattform? Welches Budget? Welcher Algorithmus?
Die Frage ist: Hast du etwas zu sagen das wahr ist?
Autor: Damien Schober
Performance Marketing & Strategie – VOID Studio Wien

