Release Date:
26.03.2026

Wie ich aus einem Impuls heraus eine Marke baute
Es gibt Momente im Leben wo alles stimmt. Das Jahr 2021.
Nicht weil du einen Plan hast. Sondern weil du im Fluss bist. Jeder Tag bringt die richtige Person zur richtigen Zeit. Jede Woche baut auf der letzten auf. Jeder Monat fühlt sich an wie Wachstum das sich nicht erzwingen lässt — es passiert einfach.
Ich hatte einen solchen Lauf.
Und ich habe ihn genutzt.
Der Impuls
Es begann nicht mit einem Businessplan.
Es begann mit einem Gefühl.
Ich war mitten in meiner Ausbildung im Online Marketing. Das Media Team deadia.motion war bereits aktiv — wir hatten eine Community aufgebaut, 400 bis 600 Views auf Instagram Stories, 200 bis 300 Likes auf Posts und Reels.
Organisches Wachstum. Echte Menschen die das verfolgten was wir machten.
Wir brauchten Content. Und ich wollte etwas erzählen das uns faszinierte.
Driftsport.
Durch Alex Steiner und Michael Rienhoff fand ich in diese Welt. Und ich merkte schnell: Niemand nahm es marketingmäßig ernst. Keine eigene Marke. Kein Storytelling. Kein einheitliches Auftreten. Keine Identität.
Es gab zwei Namen die professionell auftraten und an echten Rennen in Europa teilnahmen — Franz Kuncic und Daniel "Brandy" Brandner. Der Rest war Amateur-Hobby-Bereich. Nicht weil die Menschen es nicht ernst nahmen — Motorsport ist teuer, Driftsport in Österreich schwierig, besonders das Trockendriften. Die Hauptlocation dafür war das PS Racing Center in Greinbach, wo seit Jahren die europäische Elite des Driftsports ihren GP austrägt — der Driftmasters GP.
Mein analytisches Denken erkannte sofort: Hier ist eine Lücke.
Eine echte Marke im österreichischen Driftsport. Niemand hatte das gemacht. Noch nicht.
Die Garage in Hainfeld
Ich lernte Gabriel Scheuher kennen.
Eine alte Schlosserei in Hainfeld. Ein BMW E46 mit 1JZ Motor. Seine Freunde. Eine Energie die sich anfühlte wie die Subkulturen meiner Jugend — roh, echt, ohne Masterplan.
Wir fingen klein an.
Kleine Shootings. Videos. Personal Brand Storytelling — einzelne Personen hervorheben, ihre Geschichte erzählen, die Welt des Driftsports sichtbar machen für Menschen die sie noch nicht kannten.
Unsere Community liebte es. Weil es echt war. Weil wir nicht performten — wir zeigten. Und wir kommunizierten mit Musik die zu uns passte. Danzig. Black Sabbath. Turnstile, bevor sie so bekannt waren wie heute. The Bronx. Power Trip. Hardcore Punk der genauso in eine heruntergekommene Garage in Hainfeld passte wie ein Rennmotor der zum ersten Mal anspringt.
Die Musik die alles zusammenhielt
Jede Ära hat einen Soundtrack.
Drifttroopers hatte vier Tracks die ich heute noch nicht hören kann ohne sofort zurück zu sein. In der Garage. Auf der Rennstrecke. In dem Moment wo ich wusste dass etwas Besonderes entsteht — und gleichzeitig ahnte dass es ein Ablaufdatum hat.
Nicht laut. Nicht schnell. Schwer. Wie etwas das sich aufbaut und nicht aufhören kann. Genau so hat sich Drifttroopers angefühlt — eine Energie die größer wurde als der Raum in dem sie entstanden war. Glenn Danzig singt nicht über Scheitern. Er singt über Unausweichlichkeit. Über Dinge die passieren weil sie passieren müssen. Das haben wir in der Garage gespürt bevor wir es verstanden haben.
Hardcore Punk der sich anfühlt wie ein Moment der brennt und dann weg ist. Turnstile haben eine Energie die dich nicht fragt ob du bereit bist — sie reißt dich einfach mit. Genau das war Drifttroopers in seinen besten Momenten. Nicht geplant. Nicht kontrolliert. Echt. Roh. Und zu schnell vorbei um es festzuhalten.
Power Trip — If Not Us Then Who.
Diese Band ist tot. Mitchell Flores ist tot. Und dieser Track klingt heute anders als er damals geklungen hat. Es ist eine Frage die keine Antwort braucht weil die Antwort klar ist: Wir. Jetzt. Hier. In dieser heruntergekommenen Garage in Hainfeld. Mit diesem Rennfahrzeug das noch nicht fertig ist aber es werden wird. Wenn nicht wir dann wer. Wenn nicht jetzt dann wann.
The Bronx — Heart Attack America.
Chaos. Energie die keine Richtung hat aber trotzdem vorwärts geht. The Bronx klingen als würden sie wissen dass es nicht ewig dauert — und genau deshalb alles geben. Das war der Vibe wenn zwei Rennfahrzeuge auf einen Anhänger geladen wurden und wir nach Kroatien fuhren. Wenn das Team größer wurde als der Plan vorgesehen hatte. Wenn das Wachstum schön und beängstigend gleichzeitig war.
Diese vier Tracks haben nicht zur Stimmung gepasst.
Sie haben die Stimmung erklärt.
Und heute wenn ich sie höre — bin ich sofort dort. In der Garage. Auf dem Flugfeld in Kroatien. Im Moment wo der BMW zum ersten Mal wirklich driftet und die Sonne untergeht und das Meer dahinter liegt und ein kaltes Bier in der Hand ist.
Und ich weiß wieder was ich damals wusste ohne es sagen zu können:
Das hier ist etwas Besonderes.
Und es hat ein Ablaufdatum.
Beides gleichzeitig.
Das war Drifttroopers. Das war der Vibe.
Noch kein Name. Noch keine GmbH. Noch kein Budget. Aber eine Identität.
Der Lauf
Was dann passierte war für mich das erste Mal in meinem Leben wo ich verstand was es bedeutet wenn alles stimmt.
Herbert Schärf lernte ich kennen. Ich erzählte ihm von der Idee. Er war begeistert. Er stellte mir seinen Vater vor.
Ich erstellte einen Marketingplan. Einen Businessplan. Und als sein Vater das erste Mal im Bentley in dieser Schlosserei in Hainfeld ankam — mehrere hunderttausend Euro auf dem Tisch, ein nicht funktionierendes Rennfahrzeug davor — war mir mulmig im Bauch.
Der Plan hat überzeugt.
Eine GmbH im ersten Bezirk Wien wurde gegründet. Siegfried Strauss setzte das Branding um. Der Name Drifttroopers brauchte Positionierung — ich wusste durch mein analytisches Denken dass sowas was wir machen in Österreich keiner macht.
Es hat funktioniert.
Und dann begann das eigentliche Kapitel.
Der BMW bekommt ein Upgrade. Und wir werden größer.
Die neue Werkstatt kam. Wir siedelten nach Traisen.
Der BMW E46 mit 1JZ bekam ein komplettes Update. Ein 2JZ Motor musste her — für alle die nicht aus dem Motorsport kommen: der 2JZ ist ein Reihensechszylinder aus dem Toyota Supra, bekannt für seine extreme Belastbarkeit und sein schier endloses Tuningpotenzial. Er gilt im Driftsport als einer der zuverlässigsten und leistungsfähigsten Motoren die man in ein Rennfahrzeug bauen kann.
Neue Ansaugbrücke. Neuer Turbo. Neuer Auspuff — schräg aus der Motorhaube raus. Bashbar selbst gebaut.
Gabriel hat das alles gemacht. Manuel Schiemer kam hinzu und half tatkräftig mit. Er hatte selbst ein Rennfahrzeug — einen Mercedes W202 mit M104 Motor — der später im gleichen Stil wie der BMW gefoliert wurde.
Unser Team wurde größer. Zwei Rennfahrzeuge. Zwei Anhänger. Ein VW Crafter als mobile Werkstatt mit eigener Reifenmontiermaschine von RP Tools. Es kamen Leute wie Thiemo Rydlo und Stefan Suppan hinzu.
Ich kümmerte mich um das Branding und die Community. Die Social Media Kanäle wuchsen. Die Menschen liebten was wir taten — sie liebten den Stil, die Ehrlichkeit, die Roheit. Es gab Merch. Er wurde gekauft.
Die Marke war geboren.
Kroatien. Grobnik. Der Tiefpunkt der alles rettete.
Unser erster offizieller Rollout musste etwas Besonderes sein.
Wir fuhren mit dem gesamten Team nach Kroatien. Die Rennstrecke Grobnik. 14 Leute. Zwei Rennfahrzeuge. Ein halb fertiges Rennauto — der BMW mit 2JZ der gerade so den Prüfstandstermin geschafft hatte.
Gabriel und das Team standen unter massivem Stress beim Aufbau. Wir alle hatten nebenbei ein Berufsleben. Drifttroopers lief parallel. Ein Rennfahrzeug bauen — auch mit starkem Budget — kann die Hölle werden. Teile die nicht passen. Deadlines die reißen. Menschen die am Limit sind.
Grobnik ging schief.
Massive Überlastung. Für jeden. Druck dem wir nicht standhielten. Erwartungen die wir nicht erfüllten.
Mit gesenktem Haupt fuhren wir weiter — in ein Airbnb das ich gebucht hatte. Eine Villa. Pool. Schöne Zimmer. Ich wollte wenigstens das für das Team.
Als wir ankamen sprach ich mit dem Vermittler der Villa. Er fragte was wir machen — wegen den Rennfahrzeugen. Ich fragte ob es in der Nähe einen Ort gäbe wo wir mit den Autos driften könnten.
Er meinte: Ja. In der Nähe gibt es ein altes Militärgelände mit einem Landeplatz.
Da wusste ich: unsere Reise ist gerettet.
Am nächsten Tag fuhren wir hin.
Und zum ersten Mal konnten wir wirklich sehen wie der BMW und der Mercedes driftet. Nicht auf einer Rennstrecke mit Druck und Erwartungen. Auf einem verlassenen Militärflugfeld in Kroatien. Sonnenuntergang. Das Meer in der Ferne. Ein kaltes Bier in der Hand.
Es war nicht perfekt.
Aber für mich war es in diesem Moment der schönste Moment der ganzen Drifttroopers Geschichte.
Weil es echt war.
Die Marke war stark. Das Scheitern kam trotzdem.
Was danach kam war Wachstum das sich nicht mehr aufhalten ließ.
Die Community liebte Drifttroopers. Die Geschichte. Den Stil. Die Musik. Die Ehrlichkeit. Eine der größten jemals privat investierten Summen im österreichischen Driftsport. Zwei Rennfahrzeuge die eine Identität hatten die kein anderes Team in Österreich hatte.
Merch der gekauft wurde ohne dass wir ihn pushen mussten.
Eine Marke die funktionierte.
Und dann ist sie trotzdem gescheitert.
Nicht am Marketing. Nicht an der Positionierung. Nicht am Produkt.
Am menschlichen Faktor.
Im Motorsport gibt es eine einfache Regel: Wenn ein Teil kaputt geht, wird es ausgetauscht. Keine Diskussion. Kein Sentiment. Keine Rücksicht auf die Geschichte die das Teil hatte. Es funktioniert nicht mehr — es wird ersetzt.
Menschen funktionieren nicht so.
Und das ist gleichzeitig das Schönste und das Schwerste was es gibt.
Ich habe in dieser Zeit gelernt was kein Kurs lehren kann: Wachstum das zu schnell passiert ohne das richtige menschliche Fundament reißt alles mit sich — egal wie stark die Marke ist, egal wie gut der Plan, egal wie überzeugend die Geschichte.
Das war die teuerste und wertvollste Lektion meines Lebens.
Was Drifttroopers mir für immer gegeben hat
Eine Marke aus einem Impuls. Aus einer heruntergekommenen Garage. Aus dem Gefühl dass etwas fehlt und dass genau du derjenige bist der es füllen kann.
Ich habe gelernt wie sich echter Community-Aufbau anfühlt — wenn Menschen etwas lieben weil es echt ist, nicht weil du sie dazu gebracht hast.
Ich habe gelernt was Storytelling wirklich bedeutet — nicht Inhalte produzieren, sondern eine Geschichte erzählen die Menschen mitnimmt.
Ich habe gelernt dass ein Lauf im Leben real ist — und dass man ihn nutzen muss wenn er da ist.
Und ich habe gelernt dass Scheitern kein Ende ist. Es ist Information.
Die teuerste Information die ich je bekommen habe. Und die wertvollste.
Das letzte Licht des österreichischen Driftsports
Heute, 2026, weiß ich etwas das ich damals noch nicht benennen konnte.
Drifttroopers war nicht nur eine Marke. Es war das letzte Licht einer ganzen Szene.
Der professionelle Driftsport in Österreich ist nahezu ausgestorben. Die großen Veranstaltungen in Greinbach — die jahrelang die Heimat des österreichischen Driftsports waren — gibt es nicht mehr. Der Driftmasters GP hat Österreich den Rücken gekehrt. Er ist heute überall in Europa unterwegs. Nur nicht mehr hier.
Die Rennstrecken fehlen. Die Seat Time — die Stunden auf der Strecke die ein Fahrer braucht um wirklich gut zu werden — ist kaum mehr zu bekommen. Benzin wird teurer. Die allgemeine Teuerung trifft Motorsport härter als fast jede andere Sportart. Was ohnehin schon teuer war, ist heute für viele schlicht nicht mehr leistbar.
Wenn Drifttroopers heute gestartet würde — 2026 — es würde nicht funktionieren. Nicht weil die Idee schlechter wäre. Sondern weil der Zeitgeist ein anderer ist.
Was mich das über Positionierung gelehrt hat
Ich denke heute oft darüber nach.
Eine Marke entsteht nicht im Vakuum. Sie entsteht in einem Moment. In einer Zeit. In einem Kontext der ihr Wachstum ermöglicht oder verhindert.
Drifttroopers hatte das Glück im richtigen Moment gestartet zu sein. Die Szene lebte noch. Die Strecken waren da. Die Community war hungrig auf etwas das echt war und professionell aussah. Der Zeitgeist hat mitgespielt.
Das ist keine Selbstverständlichkeit. Das ist ein Fenster.
Und Fenster schließen sich.
Was mich das über Marketing gelehrt hat ist einfach und gleichzeitig das Komplexeste was es gibt: Positionierung ist keine einmalige Entscheidung. Sie ist eine Frage die du dir immer wieder stellen musst.
Blinde Positionierung — eine Marke aufzubauen ohne den Zeitgeist zu verstehen, ohne die wirtschaftlichen Realitäten zu sehen, ohne zu fragen ob die Welt in der du heute operierst dieselbe ist wie die Welt von gestern — kann kurzfristig funktionieren. Guter Stil, starke Community, echtes Storytelling. Das trägt eine Weile.
Aber was passiert wenn die Zeiten schwieriger werden?
Was passiert wenn die Strecken verschwinden? Wenn das Budget fehlt? Wenn der Kontext in dem deine Marke Sinn ergibt sich verändert?
Kann sie sich halten — oder muss man die Positionierungsfrage neu stellen?
Das ist die Frage die ich heute jedem stelle der zu mir kommt und über seine Marke sprechen will.
Nicht: Was bist du?
Sondern: In welcher Zeit befindest du dich — und ist deine Positionierung für diese Zeit gebaut?
Alles hat seine Zeit
Der Driftsport in Österreich hatte seine Zeit.
Drifttroopers hatte seine Zeit.
Und die schönsten Momente dieser Zeit — ein verlassenes Militärflugfeld in Kroatien, Sonnenuntergang, das Meer, ein kaltes Bier, zwei Rennfahrzeuge die zum ersten Mal wirklich driften — die nimmt mir niemand.
Aber der Markt wartet nicht auf Nostalgie.
Er fragt immer dieselbe Frage: Bist du relevant — jetzt? In dieser Zeit? In diesem Kontext?
Wer diese Frage ehrlich beantwortet, baut Marken die halten.
Wer sie ignoriert, baut Marken die leuchten — und dann verschwinden.
Wie das letzte Licht einer Szene die hätte bleiben sollen.
VOID TAKEAWAY
Jede Marke die wirklich geliebt wird, hat denselben Ursprung.
Einen Impuls. Eine Lücke die jemand gesehen hat der neugieriger war als der Rest. Eine Geschichte die echt war bevor sie strategisch war.
Drifttroopers hat mir gezeigt was funktioniert wenn man aufhört zu fragen was der Markt will — und anfängt zu zeigen was einen selbst wirklich bewegt.
Das ist bis heute die Grundlage von allem was ich bei VOID Studio mache.
Systeme verstehen. Dann Geld ausgeben.
Aber zuerst: verstehen was du wirklich zu sagen hast.
Nicht die polierte Version. Die echte.
Autor: Damien Schober
Performance Marketing & Strategie – VOID Studio Wien

